25-Jahr-Jubiläum: Wie sich die Branche entwickelte

Das 25-Jahr-Jubiläum von Resinex gibt Anlass für ein Interview mit dem Geschäftsführer Olaf Wetzel. Er gibt wertvolle Inputs dazu, wie sich die Kunststoffbranche über die Jahre entwickelt hat.

Das Interview wurde geführt von Marianne Flury und ist erschienen im KunststoffXtra 06/19

 

Herr Wetzel, Sie sind seit 17 Jahren als Geschäftsführer bei Resinex tätig. Wie hat sich Resinex in dieser Zeit entwickelt?

Olaf Wetzel: Resinex startete 1988 in Belgien, 1994 in der Schweiz. In diesen 25 Jahren hat die Resinex-Gruppe ein komplettes Netzwerk an Niederlassungen in Europa aufbauen können, so dass wir heute ein wirklich paneuropäischer Distributeur sind, der in jedem Land in Europa, inklusive Türkei, Russland, Ukraine ähnlich aufgestellt ist – lokale Mitarbeiter, lokale Lager, Innendienst und Aussendienst. Wir konnten unser Portfolio, gerade an technischen Produkten deutlich ausbauen. Natürlich haben sich auch die Kunststofflieferanten verändert. Da gab es diverse Merger und Spin-off, durch die wir auch betroffen waren. Rückblickend gesehen konnten wir eigentlich immer positiv daran teilhaben.

 

Ist Ihnen ein Merger oder Spin-off besonders in Erinnerung geblieben?

Wetzel: Ja, das Dow Spin-off Styrol-Geschäft, heute Trinseo, und auch der Verkauf der PP-Werke an Braskem, haben sich insofern positiv ausgewirkt, als dass die neuen Eigentümer sich auf ihre Geschäftssparten konzentriert haben, so dass wir mit ihnen weiterhin zusammen wachsen konnten. Ein anderes Beispiel ist das ehemalige Joint Venture DuPontDow Elastomers. Durch den Rückkauf des Elastomergeschäfts durch Dow konnten wir unser Portfolio erweitern.

 

Wie haben sich in dieser Zeit die Kundenanforderungen geändert?

Wetzel: Alle Marktteilnehmer verfügen heute natürlich über ganz andere informationstechnische Möglichkeiten als vor 25 Jahren. Sowohl der Materialverkauf wie auch der Einkauf ist viel transparenter geworden. Die Produktsuche – wer macht was, wo erhalte ich welches Material – ist bedeutend einfacher. Auf Grund der höheren Kundenanforderung und höherer Produktionsstandards haben sich auch die Qualitäten verbessert. Gleichzeitig ist der Druck gestiegen: Man muss schneller liefern, mehr Ware am Lager haben, es wird kurzfristiger disponiert. Weil die Produzenten tendenziell in die andere Richtung gehen, nehmen wir als Distributeur die Funktion eines Puffers wahr. Andere Serviceaktivitäten wie technische Unterstützung, regulatorische Fragenstellungen, Beratung etc. sind selbstverständlich.

 

Sie haben die Lagerhaltung angesprochen. Haben Sie die Möglichkeit, Lager für die Kunden zu halten?

Wetzel: Als Gruppe verfügen wir über mehrere Zentrallager. In der Schweiz arbeiten wir mit zwei Lagern, wo wir Kundenmaterial bereithalten, von dem wir wissen, dass wir schnell und kurzfristig liefern müssen oder Spezialprodukte für spezifische Bedarfe. Dieses Jahr hat unser Mutterhaus Ravago ein neues Zentrallager mit rund 50 Silos in Holland eröffnet. Dieses ist auch für uns wichtig. Entsprechend wurden auch die logistischen Anlagen erweitert. Wir können jetzt etliche 100 000 Tonnen Material im Jahr abpacken und händeln. In der Schweiz versuchen wir «Kleinmengen» an Lager zu halten. Das Problem ist, dass man komplette Ladungen, z.B. aus den Beneluxländern, günstiger in die Schweiz liefert, als wenn man das Material mit einem Camion innerhalb der Schweiz transportiert.

 

Wie gehen Sie mit den wachsenden Ansprüchen der Kunden, wie regulatorische Konformitäten, Rezyklierbarkeit u.a., um?

Wetzel: Bei den regulatorischen Fragen, also alles, was REACh, Lebensmittelkontakt, elektrische Vorschriften, diverse andere Richtlinien zu sonstigen vorstellbaren Fragenstellungen betrifft, arbeiten wir mit unseren Vorlieferanten, wie Dow, Trinseo, Solvay, DSM, Celanese, zusammen, die sehr gut aufgestellt und up to date sind. Natürlich nimmt durch die Zunahme der Vorschriften auch der Aufwand zu. Alles muss dokumentiert und nachverfolgbar sein – für uns aber eine normale Voraussetzung, um überhaupt Kunststoffe verkaufen zu können. Was Recyclingmaterial anbelangt müssen Sie wissen, dass wir uns – also Ravago – bereits seit der Gründung 1961 mit der Wiederverwertung von Kunststoff befassen Da verfügen wir entsprechend über eine lange Erfahrung, die uns in der aktuellen Diskussion in Bezug auf Rezyklierbarkeit und Circular Economy (CE) zu Gute kommt. In den nächsten ein bis zwei Jahren wird sich – gerade was Lebensmittelkontakt betrifft – auch regulatorisch einiges ändern. Da werden wir uns darauf einstellen.

 

Was meinen Sie mit «darauf einstellen»?

Wetzel: Ravago hat verschiedene Konzepte – für Post Consumer- und Post Indus­trial-Wertstoffe. Wir müssen unterscheiden zwischen Commodities wie PE, PP, die relativ einfach zu sortieren und rezyklieren sind, sofern sie nicht verstärkt sind oder Additive enthalten. Doch das haben wir unter Kontrolle, weil wir unsere Rohstoffquellen kennen und diese kontrollieren. Den Feedstock zu kennen ist sehr, sehr wichtig und wird durch die Diskussionen rund um Rezyklierbarkeit und Circular Economy zunehmend wichtiger. Das ist eine unserer Stärken, die wir haben. Zudem arbeiten alle unsere Distributions-Lieferanten an entsprechenden Lösungen.

 

Das bedeutet, wenn man weiss, was in einem Material ist, ist es einfacher zu rezyklieren?

Wetzel: Auf jeden Fall. Zum einen, weil man den Ausgangsstoff kennt, und zum anderen kann man versuchen, die Produkte auf Kunden und Anwendungen anzupassen. Man könnte viel mehr PE- und PP-Materialien wiederverwerten, nur leider fehlen aktuell die Abnehmer und die Anwendungen dazu. Diese Diskrepanz muss noch gelöst werden. Im Moment ist es leider so, dass Endabnehmer und Konsumenten z.B. farbige Flaschen in den Regalen den schwarzen Flaschen vorziehen. Es geht aber nicht nur um die Ästhetik, sondern auch um Barriereeigenschaften, Bedruckbarkeit, Steifigkeit eines Materials. Irgendjemand muss Abstriche machen. Ob das nun bei der Farbe, der Haltbarkeit des Produktes, der Steifigkeit oder Reissfestigkeit des Beutels oder beim Oberflächenglanz ist. Sonst müssen die Grossmengen des Sekundärrohstoffs weiterhin in minderwertige Anwendungen «entsorgt» werden – ein down cycling, das niemand will. Lange hiess es, wir machen die Verpackung so gut wie möglich. Heute sagen wir so gut wie nötig.

 

Wie sieht es mit den Produktionskapazitäten von PE und PP in Europa und weltweit aus. Wo wird investiert, wo ausgebaut?

Wetzel: Die aktuellen Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China, aber auch mit der EU, machen es heute schwierig, die Materialflüsse vorherzusagen. Die USA bauen auf Grund ihres Shale-gas-fracking-Vorteils massiv Kapazitäten auf. Dasselbe gilt für China, das zum Selbstversorger bei PE und PP werden will. Heute ist China noch der grösste Importeur von Kunststoff. Das wird sich ändern. Auch im Mittleren Osten entstehen neue Kapazitäten. Was Europa anbelangt wird auch da vereinzelt investiert. Beispiele dazu sind die jüngsten Ankündigungen von Borealis und Ineos (PDH-Anlagen). Aber nach wie vor wird tendenziell der Markt weniger Kapazitäten in Europa sehen, die Anlagen sind eher alt. Importe werden steigen müssen, wenn der Rohstoffbedarf gleich bleibt und dies ungeachtet davon, wo diese herkommen und welche Zölle auch immer von wem darauf erhoben werden.

 

Was ist die Stärke von Resinex?

Wetzel: Unsere Stärke ist, dass wir in jedem Bereich sowohl Standard- wie auch Spezialprodukte und unsere lokale Ausrichtung haben. In beiden Segmenten sind wir stark, weil wir über gute Lieferanten, aber auch über ein gutes Logistiksystem verfügen. Egal, ob es z.B. um Materialien für Automobil-, Elektro oder Medizinprodukte geht – wir sind gut ausgerüstet. Natürlich kann man zu einem Kunden gehen und sagen: wir können dir alles liefern. Aber nicht jeder Kunde braucht alles. Wir benötigen die Variationen in unserem Portfolio, damit wir für jeden Verarbeiter in der Schweiz den richtigen Ansatz finden, egal ob Standard oder Spezialität. Das schaffen wir auch ganz gut.

 

Wie hat sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Rohstofflieferanten über die Jahre verändert?

Wetzel: Die Produzenten haben immer mehr kostenintensive Prozesse an uns delegiert. Da reden wir über Lagerhaltung, Kreditrisiko und technische Beratung. Wir übernehmen viel mehr Serviceaufgaben vom Produzenten, das ist ganz klar. Des Weiteren ist es über die letzten 20 Jahre wesentlich einfacher geworden, Geschäfte über ganz Europa zu tätigen. Damit hat sich auch die Fragmentierung in der Distribution geändert. Ich denke, der Druck auf die Subakteure, europäischer resp. globaler zu werden, ist gestiegen. Die Lieferanten verlangen heute eine globale oder europäische Zusammenarbeit, um nicht in jedem Land oder jedem Kontinent einen anderen Partner zu haben. Das ist ein klarer Trend. Das sehen wir auch bei den Kunden, die ähnlich globaler wurden in den letzten 20 Jahren.

 

Ist es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden für Sie als Distributeur in der Schweiz Geschäfte zu machen?

Wetzel: Ja! Ich messe das nicht an den Geschäftszahlen. Diese sind gut und wir sind auch zufrieden damit. Nimmt man aber die Importstatistik von Kunststoffen zur Hand sieht man, dass die Importe über die letzten Jahre rückläufig sind. Verarbeiter stellen den Betrieb ein, fusionieren oder werden übernommen. Tatsache ist: Sowohl der Kunststoffverbrauch wie auch die Kundenanzahl geht runter in der Schweiz – das ist eine klare Tendenz. Damit nimmt der Druck zu, der Markt wird kleiner. Wir wollen weiter wachsen und sind auf gutem Weg, wir haben das richtige Portfolio, das richtige Setup, die richtige Unterstützung. Während der Rohstoffverbrauch zum Beispiel in Osteuropa um 3 bis 5 Prozent im Jahr wächst, verzeichnen wir laut Importstatistik in den letzten vier Jahren in der Schweiz einen Rückgang von 10 Prozent. Andererseits haben wir sehr innovative Betriebe, die seit Jahren hervorragende Artikel herstellen. Da gibt es auch keine Diskussionen bezüglich Nachhaltigkeit. Circular Economy ist meines Erachtens vorrangig ein Problem der Lebensmittel- und der flexiblen Verpackungen.

 

Wenn es immer weniger Verarbeiter gibt, müssen Sie dies ja wettmachen, wenn Sie weiterhin wachsen wollen. Wie machen Sie das?

Wetzel: Mit technischen Kunststoffen und neuen Lieferanten. Zum Beispiel haben wir neu eine Vereinbarung mit Celanese, dank der wir die Produkte von ehemals Softer und Nilit vertreiben können – das sind Elastomere, PP- und PA-Compounds. Wir stellen uns aber auch den Diskussionen bezüglich Nachhaltigkeit. Im Mai konnten wir unser Portfolio im Bereich «flexible Verpackungen» und «Monofilamente» durch das neue, voll rezyklierbare Dowlex von Dow erweitern. Hier wird es einige Umwälzungen im Markt geben dank der Circular Economy, E-Mobilität und der Digitalisierung.

 

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

Wetzel: Ich mag es, dass wir jeden Tag mit Kunden und Lieferanten neue Produkte oder neue Möglichkeiten kreieren können. Es gibt Dynamiken im Markt wie längere / kürzere Lieferzeiten, Preisabschläge /Preisaufschläge, Produktumstellungen, neue Vorschriften. Wir müssen flexibel sein und Lösungen finden und wir haben die Basis hierfür. Zudem mag ich, verglichen mit anderen ausländischen Märkten, dass man in der Schweiz sehr seriös miteinander umgeht und zusammenarbeitet. Man kann offen kommunizieren, ein Commitment ist ein Commitment. Das schätze ich an unseren Kunden und mag ich an unserer Zusammenarbeit hier.

 

Was wünschen Sie sich als Jubiläumsgeschenk für Resinex und für die Branche?

Wetzel: Ich wünsche mir, dass man sich nicht irgendwann dafür entschuldigen muss, dass man in der Kunststoffbranche tätig ist und dass wir genügend Nachwuchs finden – sei das nun in der Verarbeitung, im Vertrieb, in der Entwicklung oder Distribution – der den Kunststoff weiterhin als durchaus wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Werkstoff schätzt, egal ob das nun Engineering Plastic oder Verpackungsmaterial ist.

 

 

 

Weitere Informationen
Dienstleistungsgruppen:
Dienstleistungen für Hersteller
    Beratung

Anwendungsbereich:
Kunststoffverarbeitung

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Foto von  Olaf Wetzel

Olaf Wetzel

RESINEX Switzerland AG

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