Ein Projekt, das unter die Haut geht

Komplexe Geometrien mit engen Toleranzen, Reinraumfertigung und Stückzahlen in Millionenhöhe: Medizinische Einwegartikel vereinen alle grossen Herausforderungen des Spritzgiessens. Der Schweizer Systemlieferant Weidmann Medical fertigt deshalb die Kunststoffteile eines Produktes immer selbst.

Diabetes ist eine Volkskrankheit mit weltweit hohen Zuwachsraten und wer an ihr leidet, muss regelmässig seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren. Um den dafür nötigen Tropfen Blut schmerz- und angstfrei zu erhalten, bietet sich die Stechhilfe FastClix® an, die in Aussehen und Mechanik einem Kugelschreiber ähnelt. Der Unterschied: In nur drei Millisekunden tritt statt der Farbmine eine Lanzette aus dem Gehäuse, ritzt die Haut und verschwindet wieder. Bei Weidmann Medical entsteht das anspruchsvolle Innenleben von FastClix® auf einer ELION mit 120 Tonnen Schliesskraft und auf einer 100-Tonnen-SYNERGY.

 

Jahrzehntelange Partnerschaft

Die Beziehung zwischen Weidmann Medical und Netstal reicht bis Ende der neunziger Jahre zurück, als eine SYNERGY mit 90 Tonnen in Betrieb genommen wurde, die immer noch im Dauereinsatz ist. Heute arbeiten am Weidmann-Produktionsstandort in Bad Ragaz 19 Netstal-Maschinen, zum Grossteil mit dem MED-Kit ausgestattet, das die Kontamination der Produkte durch Staub erschwert und die Reinigung der Anlagen erleichtert. Viele davon stehen im Reinraum, der bis zur ISO-Klasse 7 vorhanden ist. Durch die kurze Fahrzeit von nur einer halben Stunde zwischen Netstal und dem MedTech-Spezialisten können Abmusterungen, Inbetriebnahmen und Serviceleistungen rasch und in enger Zusammenarbeit erfolgen – wie bei der ELION 1200 für die FastClix®-Komponenten, die Netstal 2012 inklusive Handling lieferte. Weidmann Medical hat seine Fertigung, auch bedingt durch den Standort in einem Hochlohnland, stark automatisiert, zudem werden alle Teile einer 100%-Inline-Kameraprüfung unterzogen. Im Vier-Schicht-Betrieb fertigen die 115 Mitarbeiter an sieben Tagen pro Woche jährlich etwa 500 Millionen Teile. Als Mitglied der Wicor-Gruppe mit über 3100 Beschäftigten, verfügt Weidmann Medical über eine globale Präsenz und ein eigenes Werk in Mexiko. Aufgrund seiner Grösse und der Spezialisierung auf medizinische Themen kann das Unternehmen flexibel und direkt auf Kundenanfragen reagieren.

 

22 Komponenten – ein System

Die Herausforderung beim FastClix® bestand, wie Projektleiter Thomas Epp erläutert, in der komplexen Teilegeometrie: „Damit der Druck- und Dreh-Mechanismus einwandfrei funktioniert, durfte keinerlei Gratbildung an den Bauteilen vorhanden sein.“ Diese bestehen aus PBT (weisse Artikel, siehe Foto) und ABS (grau) und werden in 16- beziehungsweise 24-Kavitäten-Werkzeugen gefertigt. Das Lanzettensystem aus 22 Komponenten hält in sechs Schächten Nadeln für die Blutentnahme bereit. Der Anwender kann am Pen die Stechtiefe einstellen und nach jedem Vorgang selbst entscheiden, ob er einen neuen Schacht – und damit eine neue Lanzette – anwählt, oder nicht. Sind die sechs Nadeln verbraucht, wird das Innenleben des FastClix® als Einwegartikel entsorgt und ein neues eingelegt. Diese Einsätze bezieht der Kunde von Weidmann Medical als gebrauchsfertiges Produkt, dafür verlassen pro Jahr Millionen der komplett montierten Drums das Werk in Bad Ragaz. Diese grossen Mengen liessen sich nur mit einem verlässlichen Maschinenpark realisieren.

 

Kompetente Systempartner

Was Weidmann Medical und Netstal – neben den Maschinen natürlich – verbindet, ist der Ansatz als kompetenter System-Partner seiner Kunden zu agieren. Der Medtech-Hersteller legt seinen Fokus auf die Entwicklung von technisch hochstehenden Kunststoffspritzguss-Komponenten und setzt dabei sowohl eigene Produktideen um, also auch Designs von Kundenseite. Das Ziel ist es, immer möglichst früh an einem Projekt beteiligt zu sein, um den optimalen Prozess bei dessen Industrialisierung zu finden. Für die Hauptmärkte in Europa und den USA erfolgt die Fertigung bei Bedarf auch international. Zu den Produkten gehören Verschlusssysteme für Spritzen ebenso wie hochpräzise Komponenten für die In-Vitro-Diagnose oder Spezialschnuller für Frühgeborene. Sehr häufig kommen zum Spritzgiessprodukt an sich noch Montage- und Verpackungsdienstleitungen. Mit diesem Portfolio hat sich Weidmann Medical als Partner weltweit bekannter Pharma- und Medizintechnikfirmen etabliert.

Weitere Informationen
Produktgruppen:
Equipment Kunststoffverarbeitung
    Spritzgiessmaschinen für Thermoplaste

Anwendungsbereich:
Medizin

Ihre Kontaktperson für diesen Showcase
Foto von  Ruedi Speck

Ruedi Speck

KraussMaffei HighPerformance AG

Diesen Showcase merken