Welchen Anteil hat die Verpackung am CO2 Fussabdruck?

Plastikverpackungen stehen massiv in der Kritik. Grosse Lebensmittelkonzerne und Detailhandelskonzerne haben bereits angekündigt, Plastikverpackungen zu reduzieren. Aber welchen Anteil haben Verpackungen wirklich am dringendsten Umweltproblem unserer Zeit?

CO2 Bilanz in der Lebensmittelherstellung: am Beispiel von Fleisch und Milch

Fleisch

Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch müssen zwischen 5 und 20 Kg Futtermittel produziert und verfüttert werden. Dabei werden 15,4 Kg CO2 Äquivalente (Eq.) emittiert.(Quellangabe 1)

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg ifeu (Quellangabe 2) für Rindfleisch, und untersucht auch andere Fleischsorten:

  • Rindfleisch 13 – 15 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Schweinefleisch ca. 5 Kg CO2 Eq. / Kg

Der grösste Teil der Treibhausgasemissionen entfällt auf die Phase der Aufzucht. 


Milch und Milchprodukte

Hier ergeben sich folgende Werte: (Quellangabe 4)

  • Trinkmilch 1,4 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Joghurt 2,5 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Käse 5,7 Kg CO2 Eq./ Kg

 

Früchte und Gemüse

Eine Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2016 weist folgende Zahlen aus: (Quellangabe 7)

  • Grünspargel (CH) 0,8 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Zitrusfrüchte (Spanien)  0,29 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Äpfel (CH) 0,12 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Birnen (CH) 0,11 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Bananen (Ecuador) 0,4 CO2 Eq. / Kg
  • Salat (CH) 0,14 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Gurke (Türkei) 0,37 Kg CO2 Eq. / Kg
  • Gurke (CH) 0,07 Kg CO2 Eq. / Kg

 

Welchen Anteil hat die Verpackung am CO2 Fussabdruck?

Nachdem wir oben die Treibhausgasemissionen der Lebensmittel angeschaut haben, bleibt die Frage wie es denn mit der Plastikverpackung aussieht: (Quellangabe 5)

  • Rindfleisch 330 g : Verpackung 0,07 Kg C02 Eq. Gegenüber ca. 5 Kg CO2 Eq. beim Füllgut
  • Käse 150 g: Verpackung 0,046 Kg CO2 Eq gegenüber ca. 0,86 Kg CO2 Eq. beim Füllgut
  • Joghurt 150 g: Verpackung 0.008 Kg CO2 Eq gegenüber 0,375 Kg CO2 Eq. Beim Füllgut (Quellangabe 8)

Ein durchschnittlicher Europäer verursacht ca. 15 Tonnen CO2 Eq. Treibhausgase pro Jahr. (Quellangabe 6)

Davon entfallen nur 230-300 Kg pro Jahr auf den Verpackungsverbrauch. (Quellangabe 5)

Fazit: die Verpackung macht nur einen kleinen Bruchteil des CO2 Fussabdruckes des Produktes aus! Eine einzige Flugreise nach Singapur verursacht soviel Treibhausgasemissionen pro Person wie 30 Jahre Verpackungsverbrauch!

Das Hauptproblem beim Klimaschutz ist unser Konsum und Verkehr, und nicht die Verpackung.

 

Food Waste – ein grosses Problem

Zwischen 25 und 30% der produzierten Lebensmittel enden als Food Waste!3 Das sind 1,3 Milliarden Tonnen!9 Das ist aus Sicht der Welternährung und des Klimaschutzes sehr bedenklich.

Verpackungen aus Kunststoff verlängern die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Dies wird leider oft in Frage gestellt, entspricht aber den Tatsachen. Sauerstoff liegt im Grundzustand als reaktionsfreudiges Radikal vor. Er geht mit Bestandteilen der Lebensmittel Reaktionen ein und verändert Farbe, Geschmack und Nährwert von Lebensmitteln.10 Man spricht von Oxidation. Daher werden viele oxidationsgefährdete Produkte wie Fleisch und Käse luftdicht verpackt (Shrink Sleeve) oder unter Schutzatmosphäre verpackt. Dabei wird die Luft durch Stickstoff ersetzt (Stickstoff ist mit fast 80% grösster Bestandteil unserer Atemluft).

Ausserdem begünstigt Sauerstoff das Wachstum von Mikroorganismen und Keimen, wie beispielsweise Schimmelpilze. (Quellangabe 10)


Kunststoffverpackungen helfen gegen Food Waste

Dank Kunststoffverpackungen können die negativen Effekte der Oxidation sowie weitere Umwelteinflüsse wie Licht und Mikroorganismen vom Füllgut ferngehalten werden und das Lebensmittel bleibt länger haltbar. Eine Studie der Umweltberater Denkstatt Wien hat folgende Reduktionen von Food Waste durch optimale Kunststoffverpackungen ergeben: (Quellangabe 11)

  • Steak: Reduktion Food Waste um 75%
  • Käse: Reduktion um 97%
  • Brötchen: Reduktion Food Waste um 93%
  • Hühnerfleisch: Reduktion Food Waste um 65%
  • Gurke: Reduktion Food Waste um 50%

Eine amerikanische Studie quantifiziert die Verlängerung der Haltbarkeit: (Quellangabe 12)

  • Rindssteak: 11 Tage länger haltbar
  • Banane: 21 Tage länger haltbar
  • Gurke: 26 Tage länger haltbar

Wichtig in diesem Zusammenhang: die Haltbarkeit darf nicht nur zu Hause betrachtet werden, sondern in der gesamten Zeitspanne nach der Produktion, also auch beim Lagern, Zwischenlagern, Transport etc. Wer argumentiert, dass er halt nur das offen einkauft das er unmittelbar konsumieren will verkennt, dass die Lebensmittel schon eine Weile vor seinem Kauf produziert wurden.

Ein Verzicht auf Kunststoffverpackungen ist aus Sicht der Welternährung und des Klimaschutzes die falsche Entscheidung. Die Neuproduktion von verdorbenen Lebensmitteln führt zu viel mehr Treibhausgasemissionen als die Verpackung.

Pro Kg. Lebensmittel hilft eine optimierte Verpackung 280 g CO2 einzusparen! (Quellangabe 11)


Was sagen die Gegner von Kunststoffverpackungen?

Zero Waste Switzerland führt verschiedene Argumente gegen Verpackungen ins Feld, ohne aber die verlängerte Haltbarkeit von Lebensmitteln durch Verpackungen anzuzweifeln: (Quellangabe 13)

  • Verpackungen können Food Waste erhöhen indem
  • Verbraucher*innen mehr einkaufen als sie benötigen, weil die erhältliche Packungsgrösse zu gross ist
  • Tiefe Recyclingrate
  • Gesundheitsrisiken durch Migration von Substanzen

Das erste Argument trifft zu. Hier sind Brand Owners und Detaillisten gefordert, nachfragegerechte Packungsgrössen anzubieten, die sich insbesondere auf die demographischen Veränderungen – multikulturelle Gesellschaft, kleinere Haushaltsgrössen – ausrichten. Unter dieses Thema fällt auch Überverpackung. Diese ist zu vermeiden, und nur so viel Kunststoff wie zum Schutz des Füllgutes nötig zu verwenden.

Das zweite Argument stimmt teilweise. Die stoffliche Recyclingrate ist zu tief, ja. Ausnahme: PET Getränkeflaschen, wo wir in der Schweiz ein sehr gut funktionierendes Sammelsystem haben, das PET Recycling Schweiz PRS System. Die erreichten Recyclingraten liegen fast bei 90%. Es ist aber korrekt, dass bei übrigen Plastikverpackungen die Sammel- und Sortiersysteme verbessert und ausgebaut werden sollten. Erfreulich hier die Initiativen von Coop und Migros zur Sammlung von ausgewählten, oft verwendeten Kunststoffverpackungen zum Recycling. Für stofflich schwierig zu recycelnde Verpackungen bietet sich das chemische Recycling als Lösung an, dazu mehr in einem späteren Blog.

Das dritte Argument ist unzutreffend. Kunststoffartikel die mit Lebensmitteln in Berührung kommen sind stark reglementiert. Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 und die Schweizer Kunststoffverordnung KsV legen für Substanzen von denen negative Auswirkungen auf die Gesundheit ausgehen könnten spezifische Migrationswerte fest, die nicht überschritten werden dürfen. Wer eine Verpackung für Lebensmittel auf den Markt bringt, muss die Konformität mit diesen Regulativen bestätigen, dies erfordert entsprechende Labortests die in der Regel von unabhängigen Dienstleistungslabors ausgeführt werden.

Die Lösung muss also lauten, sowenig Verpackung wie nötig, aber dort wo sie nötig ist muss sie zum Zuge kommen, und das ist bei Lebensmitteln grundsätzlich der Fall da diese durch die Verpackung länger halten.

Auf unnötige Verpackungsbestandteile und auf Überverpackung ist zu verzichten.

 

Quellangaben:

1. WWF Schweiz, Website „Fleisch und Milchprodukte“, Zürich, 2019

2. CO2 Fussabdruck und Umweltbilanz von Fleisch aus Baden-Württemberg, ifeu, Heidelberg, 2013

3. Special Report on Climate Change, Summary for Policymakers, IPCC, 2019

4. Umweltbilanz von Milch- und Milcherzeugnissen, ifeu, Heidelberg, 2014

5. Nutzen von Verpackungen: «Verpackungen nutzen – auch in ökologische Hinsicht», Denkstatt, Wien, 2018

6. Carbon Footprint of Nations - A global, trade-linked analysis, Hertwich & Peters, 2009

7. Zhiyenbeck et al., Ökobilanzierung Früchte- und Gemüseproduktion, ETH, Zürich, 2016

8. eigene Herleitung, Basis our world in data, England/Wales 2019, Plastics and Climate, CIEL, 2019, Verpackungsgewicht Joghurtbeher 4.5 g

9. FAO (UN), Food Loss and Food Waste, Website, Rom, 2019

10. Sandmeier, Welche Auswirkungen hat Sauerstoff auf Lebensmittel? Fraunhofer IVV, Freising, 2003

11. How Packaging Cotributes to Food Waste Prevention, denkstatt, Wien, 2017

12. Reducing Food Waste through Packaging, American Chemistry Council ACC, Washington, 2018

13. Does plastic packaging reduce food waste ?, Zero Waste Switzerland, 2019

Weitere Informationen
Dienstleistungsgruppen:
Auftragsfertigung
    Spritzguss Thermoplaste

Anwendungsbereich:
Konsumgüter

Ihre Kontaktperson für dieses Fachwissen
Foto von  Patrick Semadeni

Patrick Semadeni

Semadeni Plastics Group