Aus Meeresmüll werden Teile für die Uhrenindustrie

Das IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung entwickelte zusammen mit dem Schweizer Startup Tide Ocean SA ein Verfahren, in dem Plastikabfall aus dem Ozean zu hochwertigen Kunststoffgranulat und Textilfäden umgewandelt wird.

Aus Meeresmüll werden Teile für die Uhrenindustrie

Aktuell beschäftigt die Verschmutzung der Meere die Gesellschaft so sehr wie der Klimawandel. Es gibt riesige Flächen im Ozean, die mit Kunststoffmüll bedeckt bzw. regelecht verseucht sind. So schreibt der WWF auf seiner Homepage: "Die Plastikkrise bedroht unsere Meere und wir Menschen haben das zu verantworten. Jede Minute fluten ca. 15.000 Kilogramm Plastikmüll den Ozean! Dies hat schwerwiegende Folgen für das Leben vieler Menschen und ihren Lebensunterhalt. Und für die Natur: Über 14.000 Tierarten sind bereits durch den Plastikmüll bedroht. Fische, Wale, Vögel, Meeresschildkröten und viele mehr verletzen sich oder sterben qualvoll aufgrund von Plastikmüll!" (Quelle: https://www.wwf.de/stop-plastic). Man fordert den Stopp von Kunststoffverpackungen. Einige Organisationen haben bereits mit der Reinigung der Meere durch riesige Sammelschiffe begonnen.

Das Einsammeln im Meer befasst sich jedoch nur mit dem Symptom der Verschmutzung, nicht aber mit der Ursache! Viel wichtiger ist es, dass kein weiterer Kunststoff mehr ins Meer gelangt. Ein entscheidender Schritt ist es, dem Kunststoffabfall einen Wert zu geben, damit ein Anreiz geschaffen wird, diesen einzusammeln bzw. ihn erst gar nicht achtlos wegzuwerfen.  

Es wurde eine Prozessvorgehensweise entwickelt, die das Mahlgut klassifiziert, falls notwendig erneut zu sortieren bzw. zu waschen. Das so gewonnene Mahlgut ist der Rohstoff für den nächsten Arbeitsschritt. Ausgehend von der gewünschten Endanwendung wird das Material so aufbereitet, dass es die jeweilige Spezifikation erfüllt.  

Im Projekt werden Lösungen für unterschiedliche Kunststoffe, wie PE, PP, PET und PS untersucht. Diese Kunststoffgruppen wurden ausgewählt, da sie einen Grossteil der Kunststoffabfälle ausmachen. Aktuell wurden Anwendungen für die Uhrenindustrie aus PET erarbeitet und dementsprechend aufbereitet, damit Textilfasern daraus hergestellt werden können. Desweiteren wurde geschädigtes Material aufbereitet und gegebenenfalls noch mit Glasfasern verstärkt. Für die Verarbeitung im Spritzgiessprozess sind spezielle Parameter erarbeitet, getestet und erfolgreich in der Produktion umgesetzt worden.

Im Bild sind mögliche Anschauungsobjekte zu sehen, da die in Serie produzierten Teile erst Anfang 2020 veröffentlicht werden dürfen. Das Projekt wurde von der Messe München mit dem Materialica Best of Award in der Kategorie Material ausgezeichnet.

Ziel ist es in den nächsten Jahren 500 t Kunststoffmüll aufzubereiten und daraus hochwertige Produkte herzustellen.

 

Weitere Informationen
Dienstleistungsgruppen:
Forschung und Entwicklung
    Technologieentwicklung

Anwendungsbereich:
Konsumgüter

Ihre Kontaktperson für diesen Showcase
Foto von Prof. Daniel Schwendemann

Prof. Daniel Schwendemann

IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung

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